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Kölner Köpfe – Ute Palm

Jeannette Fentroß · 13.05.2026

Ute Palm und die ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Foto: Foto: Arton Krasniqi

Ute Palm und die ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Foto: Foto: Arton Krasniqi

Ute Palm (84) engagierte sich ihr ganzes Leben für Menschen mit Behinderung und seltenen Erkrankungen.

Sie leiden an einer erblich bedingten Augenkrankheit. Wie äußerten sich erste Beschwerden?

In meiner Schulzeit stellten sich bei mir zunächst Symptome von Nachtblindheit, später auch ein gestörtes Farb- und Kontrastsehen ein. Der fortschreitende Verlust der lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut führt zu einem verengten Sichtfeld und in Intervallen zum zunehmenden Sehverlust.

Wie ging es denn nach der Schule für Sie weiter?

Nach dem Abschluss an der Frauenoberschule in Kalk habe ich eine technische Ausbildung absolviert. Danach war ich lange und bis zum Rentenalter im Verkauf und als Pressesprecherin für ein Luftfahrt-Unternehmen in Deutz tätig. Ich war auf sehr vielen Flügen mit an Bord und schon überall auf der Welt. Die Hochzeitsflugreise mit meinem Mann ging nach Südafrika. Kennengelernt haben wir uns bei einer Sitzung im Gürzenich, denn als kölsches Mädchen mag ich auch den Karneval. Unlängst habe ich noch die Blindensitzung im Sartory besucht.

Haben Sie Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht?

Aus eigener Betroffenheit heraus habe ich mich früh für Menschen mit Behinderung, besonders für die Sensibilisierung für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen, eingesetzt. Damals war das alles neu und der Arbeitgeber nicht immer begeistert von meinem Engagement. Vor allem sind Veränderungen für mehr Barrierefreiheit in allen Bereichen notwendig: beispielsweise die Verbesserung der Kennzeichnungen im Alltäglichen, deutlichere Symbole oder Farben.

2024 erhielten Sie das Bundesverdienstkreuz für Ihr lebenslanges Engagement. Wie war das für Sie?

Das war unverhofft und schön. Ich habe mich immer für vieles interessiert und dadurch Menschen kennengelernt, die mich mitnahmen – so war das früher. In der städtischen Behindertenpolitik war es mir immer wichtig, mich für die Rechte und die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen einzusetzen.

Was unternehmen Sie gerne?

Mit meiner Betreuerin Gerda Riedlowski sitze ich oft im Garten der Senioren-Residenz, in der ich seit 2024 wohne. Wir verbringen gerne Zeit miteinander und besuchen den Zoo oder die Philharmonie. Kunst und Kultur sind meine Leidenschaft geblieben. Ich wünsche mir noch mehr barrierefreie Angebote in den Museen für Blinde und Sehbehinderte.

Welche Anliegen haben Sie sonst noch?

Es wäre schön, wenn es mehr Verständnis für das Miteinander gibt und dass gegenseitige Hilfe normaler wird. Wir sind alle Menschen – mit oder ohne Einschränkungen – und benötigen alle irgendwann Unterstützung.

Das Gespräch führte Jeannette Fentroß.

Tags: Barrierefreiheit , Interview , Kölner Köpfe