Rad fahren
Von der Mündung bis zur Quelle – der Ruhrtalradweg
Franz Neuhäuser · 04.08.2025
Bei Dellwig liegt die Hälfte der Strecke noch vor einem – oder besser: Sie ist schon geschafft. Foto: ranz Neuhäuser
Da! Am anderen Ufer. Zwanzig Meter entfernt. Schau! Zwei Füchse! Sie wagen sich aus dem Unterholz, streunen auf einer Kiesbank umher. Es ist kurz nach zwölf Uhr mittags an einem schwülen Sommertag. Wir, zwei Radler aus Bayern, stehen hier bei Schwerte. An der Ruhr. Dem Fluss, nach dem eine Region benannt ist, die bei uns nicht dafür bekannt ist, dass sich hier Fuchs und Mensch guten Tag sagen.
Meine Frau und ich haben unsere „Tour de Ruhr“ in Düsseldorf nach einem Besuch bei Freunden gestartet. Unser Plan: in drei Tagen bis zur Quelle am Nordhang des Ruhrkopfs im Rothaargebirge radeln, erst nordwärts am Rhein entlang, vor Duisburg rechts abbiegen, „über Land“ nach Mülheim, ab da dann auf dem ausgeschilderten Radweg. Verpasst haben wir den Duisburger Hafen, an der Mündung in den Rhein, für viele der Endpunkt ihrer Ruhrtaltour.
In Winterberg oder Duisburg starten? Die Ruhr rauf- oder runterfahren?
Denn die meisten Ruhrtalradler starten in Winterberg. Dort, inmitten von üppigen Wiesen und dunklen Wäldern, beginnt die Ruhr als Rinnsal ihren Weg. Aber: Man kann auch bergauf fahren. Beide Richtungen sind gut ausgeschildert. Und der Ruhrtalradweg steigt auf seinen 230 Kilometern nur moderate 650 Meter an. E-Biker lächeln da milde. Wir gehören zum kleiner werdenden Häuflein der Bio-Biker mit Antrieb aus der Kraft der Waden. Aber selbst wir mussten uns erst auf den letzten 30 Kilometern etwas abstrampeln.
Streckenführung und Beschaffenheit des Weges lassen für Radelnde aller Altersgruppen und Fitnessgrade kaum Ausreden. Den Ruhrtalradweg kann fast jeder packen. Meist glitten wir abseits von Autostraßen über Rad- und Wirtschaftswege dahin, oft sogar direkt am Ufer.
Vom „Ruhrgebiet“ mit Schloten und Schlacke ist unterwegs wenig zu entdecken. Stattdessen: viel Idylle. Das wundert nicht, denn die Ruhr fließt nicht mittendurch, sondern auf dem Gutteil ihrer 219 Kilometer am südlichen Rand des Reviers. Das Gemisch der Städte im „Pott“ ist vom Radweg aus meist nur zu erahnen. Dortmund? Da drüben spitzelt ein Fernsehturm über dem Waldrücken raus. Dort muss es sein. Laut Wegweiser sind es nur zwölf Kilometer bis ins Zentrum. Hier gibt es nur Pferdekoppeln.
Und Essen? Wo ist Essen? Vor uns liegt der Baldeneysee, der wie einige weitere Seen von der aufgestauten Ruhr gespeist wird. Auf einem Höhenzug am anderen Ufer sind herrschaftliche Anwesen auszumachen. Das da muss die Villa Hügel der Krupps sein. An diesem schönen Sommertag kommt hier etwas vom Flair eines oberitalienischen Sees auf. Mit Segelbooten und Surfern – aber ohne Berge.
Industriell-idyllische Radstrecke
Apropos Berge: Neugierig sind wir, die wir aus Bayern stammen, auf unseren Zielort Winterberg. Ein Wintersportzentrum mit Schanze, Bob- und Rodelbahn, nur 670 Meter hoch gelegen – wo gibt’s sowas? Im Hochsauerland, das sich den aus dem Norden kommenden Wolken als erstes Hindernis in den Weg stellt und so eine Extraportion Schnee abbekommt. Aber noch sind wir nicht am Ziel.
Selbstverständlich können Ruhrtalradler auch das „typische“ Ruhrgebiet erfahren – wenn sie sich etwas mehr Zeit nehmen, als wir das taten. Nur wenige Kilometer vom Wegesrand entfernt liegen die Zeugnisse der industriellen Revolution. Herausragend: die ehemalige Zeche Zollverein in Essen. Doch auch ein Stopp beim Wassermuseum Aquarius im Mülheimer Wasserturm lohnt sich, genauso wie ein Abstecher zur imposanten Möhnetalsperre.
Ab und an ist auch jenes Ruhrgebiet zu erleben, wie man es als Radler gar nicht mag: mit tristen Wohnblöcken und langweiligen Einheitsbauten in uniformen Fußgängerzonen. Aber was eher im Gedächtnis bleibt: die Ruhrgebiets-Eingeborenen, die sich als freundlich, hilfsbereit, pragmatisch erwiesen. Wer ausnahmsweise mal orientierungslos dasteht, hört mit Sicherheit bald: Wattsuchensedenn? Wowollnsehin? Fahrensemalhintermirher! Guter Rat für Radler ist hier nie teuer. Einzig die Begegnung mit den Füchsen am helllichten Tag, die blieb für uns rätselhaft.
230 Kilometer, ab Duisburg geht es 207 Meter abwärts und 874 Meter aufwärts. Empfohlene Jahreszeit: April bis Oktober.
Wo informiere ich mich?
Ruhr Tourismus GmbH Info-Hotline: 01806 / 18 16 30 (0,20 Euro/Verbindung) www.ruhrtalradweg.de, gut sortiert, mit Ansprechpartnern und Materialien und auch den GPX-Daten zum Herunterladen.
Wie viele Tage einplanen?
Mindestens drei Tage, mit Sehenswürdigkeiten mehr.
Wie findet man Unterkünfte?
Auf der Ruhrtalradweg-Seite gibt es Adressen von Partner-Hotels und auch Pauschal-Angebote. Unsere Erfahrung: Spontan finden geht auch. Größere Gruppen aber buchen besser vorab.
Brauche ich eine Landkarte?
Jein. Die Ausschilderung ist nahezu perfekt. Im Zweifelsfall oder für Abstecher lohnt auch eine Karte oder ein Radtourenbuch, etwa von bikeline, Kompass, Bruckmann oder BVA Bielefelder Verlag.
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Tags: E-Bike , Fahrrad , Radweg , Route , Ruhrgebiet , Ruhrtalradweg
Kategorien: Tagesausflüge , Rad fahren