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Vereine / Organisationen

Der Kölner Spendenkonvoi leistet Nothilfe an den EU-Außengrenzen

Martina Windrath · 08.01.2026

Verteilung von Sachspenden vor dem Camp Lipa – Bosnien 2024, Foto: © J.Buck

Verteilung von Sachspenden vor dem Camp Lipa – Bosnien 2024, Foto: © J.Buck

Was erleben gemeinnützige Helfer auf ihren humanitären Einsätzen? Wie sieht die Versorgung aus?

Auf dem verschlammten Boden liegen letzte Habseligkeiten, offene Feuerstellen qualmen, es zieht durch Fensterhöhlen. In Ruinen irgendwo an der kroatisch-bosnischen EU-Außengrenze haben Menschen notdürftig Unterschlupf gesucht. Sie sind auf der Flucht. Einige haben ramponierte Zelte, andere sitzen auf Autoreifen. Kinder starren ins Leere, Angst in den Augen. Helfer stabilisieren kaputte improvisierte Behausungen, sie verteilen Schlafsäcke und sprechen mit den Gestrandeten. Eine Ärztin versorgt Wunden …


Die Ärztin des Spendenkonvois versorgt erkrankte geflüchtete Menschen in ihren notdürftigen Behausungen. Foto: privat

So schildern Leonie Bohmann (30) und Rebecca Arandan (28), beide Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Kölner Spendenkonvoi“, was sie auf ihren Hilfsfahrten erleben. Zerstörte Orte, verwahrloste Ruinen, obdachlose Menschen – das sind Szenarien an den Rändern Europas. Mit Fotos, Videos und Erfahrungsberichten von den humanitären Einsätzen dokumentiert der Verein die Lage vor Ort.

„Viele Geflüchtete hängen in Camps und Abschiebegefängnissen unter menschenunwürdigen Bedingungen fest, erfahren Gewalt“, sagt Rebecca. Die Not sei groß. Zuletzt besuchten sie im März in Bulgarien marode Haftanstalten. „Schrecklich“, erinnert sich Leonie und erzählt von Odysseen wie der von Mohamed, der aus Syrien nach Deutschland floh, um von hier aus seinen gelähmten kleinen Sohn mit Geld zu unterstützen, ausgewiesen wurde und seit Monaten auf die Abschiebung wartet … Seine Zukunft? Ungewiss. „Wir wollen nicht nur unsere Privilegien in der EU genießen, sondern auch Verantwortung übernehmen und helfen“, so Leonie.

Sammeln, verteilen und vernetzen

Für die Verbesserung der Lage und den Schutz der Menschenrechte setzt sich der Kölner Verein mit derzeit 45 Mitgliedern ehrenamtlich ein. Er sammelt Spenden und unterstützt damit Projekte vor Ort. Entstanden ist er 2018 aus einer Initiative von drei Freunden, nachdem sie an der bosnischen Außengrenze das Elend erlebten. Sie beschlossen: „Wir müssen was tun“ für die Menschen aus Syrien, Pakistan, Afghanistan und anderswo. Und legten los. Am Anfang konzentrierten sie sich auf die Versorgung Betroffener etwa mit Essen und Kleidung. Das Sammeln von Geldspenden rückte zunehmend in den Vordergrund.
Der Verein kooperiert verstärkt mit lokal ansässigen Organisationen wie „klikAktiv“ und „Collective Aid“ und vernetzt sich mehr und mehr. Geholfen werde hauptsächlich dort, wo Unterstützung von staatlichen Institutionen und großen Nichtregierungsorganisationen ausbleibe.

Mitglieder erleben bei ihren humanitären Aktionen Probleme wie Mangelernährung und fehlende medizinische Versorgung, aber ebenso Gastfreundschaft. „Menschen haben für uns gekocht und das Wenige geteilt“, erzählt Leonie. Sie berichtet auch von Familien, die an der grünen Grenze misshandelt worden seien, oder vom traumatisierten Jugendlichen, der ohne Schuhe unterwegs war: „Die Bedingungen sind oft katastrophal, das Hoffen auf Asyl und ein Leben in Frieden nahezu aussichtslos.“ Die geleistete Unterstützung reicht von der Versorgung von Wunden bis zur Vermittlung von Kontakten zu Anwälten, von der Installation kleiner Öfen bis zu Wasch-Einrichtungen. 10.000 Euro Spenden flossen gerade in eine Hygieneeinrichtung. Darüber hinaus werden in Köln und Region Veranstaltungen durchgeführt, Ausstellungen konzipiert.


So sehen kürzlich verlassene Lager in Bosnien 2024 aus. Foto: © J.Buck

Auf eigene Kosten

Das Engagement des Spendenkonvois stößt landesweit auf Anerkennung: Der Verein erhielt 2024 die Ehrenamtsmedaille des Landtags NRW. Die Auszeichnung würdigt seinen Einsatz und unterstützt das Anliegen, über die Lage der Gestrandeten zu informieren, sie ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, auch Vorbehalte in der Bevölkerung abzubauen und mehr Verständnis für die Schicksale zu entwickeln.

Neben Geldspenden werden bei Bedarf auch Sachspenden gesammelt. Ein- bis zweimal im Jahr reist eine Delegation an die Außengrenzen, auf private Kosten. „Dafür nehmen wir unseren Urlaub“, so Physiotherapeutin Rebecca. „Die Lage in den Grenzgebieten hat sich verschärft“, fasst Leonie zusammen, die bei der Initiative „Cap Anamur“ beschäftigt ist. Bulgarien zum Beispiel sei für viele Schutzsuchende der erste Schritt auf EU-Boden – und der letzte Stopp vor der Abschiebung in ihre Herkunftsländer. „Hier endet ihre Situation oft in Verzweiflung.“

Wir wollen nicht nur unsere Privilegien in der EU genießen, sondern auch Verantwortung übernehmen und helfen“
Leonie Bohmann, Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Kölner Spendenkonvoi

Kölner Spendenkonvoi e. V.
Tel. 0172 / 944 52-78
E-Mail: info@koelner-spendenkonvoi.de
www.spendenkonvoi.de

Neue Mitwirkende und Unterstützung durch Geldspenden sind herzlich willkommen.
Treffen: jeden 2. Donnerstag im Monat, Bürgerzentrum Ehrenfeld, Venloer Str. 429.

Spendenkonto:
GLS Bank
IBAN: DE34 4306 0967 1173 0893 00

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Tags: EU , Humanitäre Einsätze , Nothilfe , Spenden

Kategorien: Soziales , Unser Köln , Vereine / Organisationen