Pflege
Präventive Hausbesuche in Köln: Beratung im Alter direkt zu Hause
Martina Windrath · 23.09.2026
Kerstin Goll (rechts) zu Besuch bei Herbert Urmann und Angela Erle Kerstin Goll (rechts) zu Besuch bei Herbert Urmann und Angela Erle Kerstin Goll (rechts) zu Besuch bei Herbert Urmann und Angela Erle. Foto: Thomas Banneyer
Wenn Kerstin Goll (47) zu Terminen bei Seniorinnen und Senioren in Nippes radelt, hat sie viele Informationen im Gepäck – und eine Mission. „In den präventiven Hausbesuchen biete ich Einstiegsberatungen, damit ältere Menschen möglichst lange selbstständig zuhause wohnen können“, sagt die Sozialarbeiterin der Sozial-Betriebe-Köln (SBK).
Heute klingelt sie wie verabredet bei Herbert Urmann (77) und Angela Erle (73). Sie wird herzlich in deren barrierefreier Mietwohnung im Clouth-Quartier empfangen. „Wir wollen nicht erst handeln, wenn es brennt“, betont das Paar und holt sich vorausschauend Rat zu Fragen wie zum betreuten Wohnen. „Das ist ideal“, lobt Goll, „denn oft stelle ich in anderen Fällen einen akuten Hilfebedarf fest.“
Stadt Köln finanziert kostenlose Beratung
Das kostenlose, freiwillige Angebot wird seit zehn Jahren von der Stadt Köln finanziert und von den Trägern freier Wohlfahrtsverbände und den Sozial-Betrieben-Köln (SBK) angeboten. Mit den städtischen Mitteln wird eine halbe Mitarbeitendenstelle pro Stadtbezirk finanziert. Das Jubiläum wird natürlich gefeiert – und mit ihm der Erfolg, denn die Beratung wird angenommen: Seit Februar 2016 nutzten knapp 15.000 über 75-Jährige diesen vorbeugenden Service.
Urmann und Erle nehmen ihn gern in Anspruch, denn sie wissen aus dem Familien- und Freundeskreis: Es kann jederzeit passieren. Ein schwerer Sturz, eine Krankheit – und Hilfe ist akut gefragt. In solchen Fällen würden sich viele Fragen stellen, bestätigt Goll.
Wer leistet Unterstützung im Haushalt, was steht einem zu?
Woher bekommt man den Notfallknopf?
Muss ein Pflegegrad beantragt werden? Und wie geht das?
Erle erzählt besorgt: „Zwei ältere Schwestern von mir leben noch in ihren großen Wohnungen, kommen aber dort mit dem Rollator nicht mehr gut zurecht.“
Goll lotst in der vertraulichen Runde einfühlsam durch weitere Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht sowie die barrierearme Umrüstung von Bädern und leitet bei Bedarf an andere Stellen weiter. In jedem Gespräch überreicht sie Infobroschüren und dokumentiert, wo Rat benötigt wird. Und als gut vernetzte Kümmerin im Veedel hat sie ein offenes Ohr für Sorgen. „Manchmal fließen auch Tränen, wenn etwa ein Angehöriger zunehmend verwirrt ist und ein Pflegeplatz sofort nötig ist“, berichtet sie. Oder ein Ratsuchender über Einsamkeit klagt. Da kann Goll mit Adressen für Gesprächskreise oder Besuchsangebote weiterhelfen.
Urmann und Erle haben viele Kontakte: „Wir haben Kinder aus ersten Ehen, Bekannte, Hobbys.“ Sie malt und engagiert sich politisch. Er coacht als Psychologe noch Klienten. „Jetzt haben wir noch die Energie und Freiheit, selbstbestimmt vorzusorgen“, ergänzt er. Aufmerksam wurden sie auf das Beratungsangebot durch ein Anschreiben der Stadt. Denn turnusmäßig schreibt die Stadt alle 75-Jährigen mit dem Hinweis auf die aufsuchende Beratung und Ansprechperson an. Das waren 2025 rund 14.500 Schreiben. „Viele bewahren den Brief auf und bedanken sich, dass die Stadt an sie denkt“, weiß Goll. Wer achtzig wird, erhält sogar nochmal ein Erinnerungsschreiben. So fanden allein letztes Jahr 1.044 aufsuchende Gespräche statt.
Tipps, Adressen, Vorsorge
„Auch für uns sind die präventiven Hausbesuche ein sehr wichtiges Angebot, um zu älteren Personen Kontakt aufzunehmen und zu erfahren, in welcher Lebenssituation sie sich befinden, ob weiterer Hilfebedarf besteht. Es ist ein Türöffner“, unterstreicht Abteilungsleiter Ingo Thevis vom städtischen Amt für Soziales, Arbeit und Senioren. „Es ist toll, dass wir diesen Baustein im Unterstützungsnetz haben.“ „Viele verdrängen das Thema Hilfebedarf. Es gehört aber zum Leben. Meine Mutter hatte Multiple Sklerose, ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt“, erzählt Erle. Das Paar will für alle Fälle gewappnet sein. „Gibt es für uns Platz im Service-Wohnen in Riehl? Dort hat meine Mutter ihre letzten Jahre gerne gelebt“, fragt Urmann. Goll rät: „Lassen Sie sich auf die Warteliste setzen.“ Das Paar bedankt sich zum Abschied für die vielen guten Tipps und betont: „Und wenn wir Fragen haben, rufen wir Sie wieder an!“
Tipps, Adressen und weitere Informationen für Senioren und Seniorinnen in Köln finden Sie auch im KölnerLeben Wegweiser.
Foto: Thomas Banneyer
Informationen
Adressen Ihres zuständigen Beraters erfahren Sie beim Beratungstelefon für Senioren und Seniorinnen und Menschen mit Behinderung:
Tel. 0221/ 221-2 74 00. Dort ist auch der Wegweiser „Gut informiert älter werden“ (hier online) mit einem umfangreichen Adressangebot erhältlich.
www.stadt-koeln.de/beratungstelefon
Weitere Informationen: www.stadt-koeln.de/artikel/63972/index.html
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Tags: Beratung , Hausbesuche , Leben im Alter , Selbständig , Senioren , Unterstützung , Wohnen , zuhause