Leben in Köln

Kölner Köpfe - Ursula Brauckmann

Lydia Schneider-Benjamin · 04.03.2020

Foto: Jo Fober

Foto: Jo Fober

Für die Präsidentin der ersten Damen-Karnevalsgesellschaft „Colombina Colonia“ ist ihr Ehrenamt Hobby und Berufung zugleich.

Sie kommen aus einer karnevalsverrückten Familie?

Karneval haben wir uns als ganze Familie – ich habe noch drei Brüder – nach einem Motto verkleidet, zum Beispiel als Ponderosa-Ranch-Mitglieder von Bonanza, das war sehr lustig. Mein Vater war bei den Gesellschaften Schäl Sick und der Kölner Narren-Zunft Mitglied, ach ja, und auch im Schützenverein. Da habe ich schon früh mitbekommen, dass es reine Herrengesellschaften sind. Frauen waren immer nur schmückendes Beiwerk. 1997 kam dann der Höhepunkt: Meine zwei Brüder und mein damaliger Mann waren das Kölner Dreigestirn. Dabei war ich mit den Frauen meiner Brüder auch immer ein schönes Dreigestirn.

Da fiel die Idee, eine Damen-Karnevalsgesellschaft zu gründen, bei Ihnen bestimmt auf fruchtbaren Boden …

Ja, 1998 kam Annegret Cremer mit dieser Idee auf uns zu. Sie meinte: „Wir haben den Männern immer den Rücken freigehalten. Jetzt wird es Zeit, dass wir was Eigenes auf die Beine stellen!“ Zur Gründung haben sich dann 16 Frauen getroffen, und 1999 waren die Colombina Colonia geboren. Natürlich unkten die Männer: „Das hält nur solange, bis ihr euch bei der ersten Vorstandssitzung über die Farbe des Nagellackes streitet.“ Aber da haben sie sich geirrt. Bei uns gibt es keinen Streit oder Neid. Und wir haben jetzt 489 Mitglieder und sind wie eine große Familie.

Also haben Sie keine Nachwuchssorgen wie die anderen Gesellschaften?

Oh nein! Leider ist Aufnahmestopp, da wir nicht zu groß werden wollen. Wir haben 18-Jährige und eine große Schar 25- bis 35-Jähriger, die auch sehr aktiv sind. Die Älteste ist 94 Jahre, viele sind auch zwischen sechzig und achtzig Jahre alt.

Haben die Generationen viel miteinander zu tun?

Das ist das Schöne: Man bleibt im Austausch zwischen Jung und Alt, man ist nicht alleine. Es haben sich viele Gruppen gebildet, die Zeit miteinander verbringen: sei es zum Singen, Kartenspielen, Sport oder um eine Veranstaltung vorzubereiten. Um nicht zu vergessen: Spenden zu sammeln.

Wofür sammeln Sie denn?

Ich weiß, dass es auch Elend hier direkt vor unserer Tür gibt, wir sammeln für Frauen und Kinder in Köln! Bisher kamen 1,1 Millionen Euro zusammen.

Ich merke, wie Sie für Ihre Tätigkeit glühen. Wie sieht denn Ihr Alltag in der Session aus?

Ich repräsentiere den Verein. Zurzeit finden zum Beispiel viele „Korpsappelle“ statt, da werde ich von den anderen Gesellschaften eingeladen. Da ehrt der jeweilige Präsident seine Mitglieder oder sie werden befördert. Das dauert schon mal bis Mitternacht. Aber wir Colombinen veranstalten ja auch eigene Sitzungen. Darüber hinaus haben wir noch eine Damensitzung mit drei anderen Damen-Gesellschaften als „Agrippinas Töchter“. Das bringt so viel Freude und es ist ein tolles Frauennetzwerk entstanden, ohne Gezicke. Mein Credo: Man darf sich nie hängen lassen; rausgehen und sich mit der Jugend beschäftigen hält fit. So wie meine Mutter, sie ist mit 85 Jahren voll dabei.

Das Gespräch führte Lydia Schneider-Benjamin.

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