Leben in Köln

Kölner Köpfe - Im Gespräch

Lydia Schneider-Benjamin · 04.02.2020

Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Vielen ist die 68­jährige Schauspielerin mit der kölschen Schnüss in ihrer Paraderolle der Geierwally bekannt.

Immer wieder erstaunlich, Kölns Hinterhöfe zu entdecken. Mitten in der Stadt, nahe des Neumarktes, eine unscheinbare Fassade eines Nachkriegshauses. Geht man durch den Hausflur hinten wieder hinaus, steht man in einem grünen Paradies, dahinter eine große Halle. Dort besuche ich Samy Orfgen.

Frau Orfgen, Ihrem Kölsch nach zu urteilen sind Sie echte Kölnerin?

Ja, ich bin an der Luxemburger Straße am Barbarossaplatz aufgewachsen. Da war damals der Endbahnhof der Vorgebirgsbahn. Da hatten meine Eltern die Gaststätte Orfgen. Die Leute, die mit diesem Zug nach Köln kamen, um ein - zu kaufen, machten bei uns Rast.

Wie kamen Sie denn in Kontakt mit der Schauspielerei?

Schon mein Vater war ein Vollblut-Entertainer. So setzte er sich schon mal gerne ans Klavier und unterhielt die Gäste. Er sagte immer: „Ein guter Wirt muss auch ein guter Schauspieler sein.“ Meine ersten Bühnenerfahrungen machte ich bei der Kölner Kinderbühne, einer Ballettschule, die ich im Alter von fünf bis zehn besuchte. Wir führten Operetten in der „Brücke“ und am Tanzbrunnen auf.

Aber das wurde dann nicht direkt Ihr Beruf?

Erst einmal habe ich in den Siebzigern an der Fachhochschule für Dolmetscher und Übersetzer studiert. Ich verbrachte ein Jahr in Sevilla und habe mich in Spanien verliebt, klar, so lernte ich Spanisch. Ich spreche es immer noch mit dem Akzent der Sevillanos. Danach fand ich eine Anstellung am spanischen Konsulat in Düsseldorf und anschließend bei der Spanischen Kommission in Köln.

Aber das Theaterspielen ließ Sie nicht los?

Immer wieder dachte ich darüber nach, dann sah ich eine Anzeige, dass Bennos Bühne im Theater Cordial Laienschauspieler suchte. Dort lernte ich viel, bis ich über einen Freund Wally Bockmayer kennenlernte. Er meinte zu mir, dass ich dort nichts mehr lernen könne, und besorgte mir eine Schauspiellehrerin. Er brachte mich in dem Kinofilm „Im Himmel ist die Hölle los“ unter. Danach ging es rasend weiter, 1984 mit meiner Rolle als Geierwally in der Filmdose. Damals waren meine Mitspieler Dirk Bach und Ralph Morgenstern noch völlig unbekannt.

Dann kamen viele Engagements?

Oh ja, wir tourten durch ganz Deutschland, drehten den Film Geierwally in Österreich, 16 Jahre spielte ich bei der Serie „Die Anrheiner“ mit. Der Erfolg führte dazu, dass ich meinen Job bei der Spanischen Kommission kündigen konnte. Aber ich bin heute froh, dass ich trotzdem immer weiter Rentenversicherung gezahlt habe. Viele Schauspieler müssen in meinem Alter noch arbeiten, ich brauche zum Glück nicht jedes Angebot annehmen.

Aber Ihre Liebe zu Spanien ist geblieben, das sieht man auch hier an der großen und offenen Wohnküche.

Das war mal eine Fabrikhalle, die habe ich umbauen lassen. Die Gestaltung ist an den maurischen Stil angelehnt. Ich habe immer noch Kontakt nach Spanien, über WhatsApp geht das sehr gut. Damit ich lange hierbleiben kann, sind die Türen breiter, damit ist meine Wohnung barrierefrei. Ich lebe nämlich nach dem Motto, das ich auch anderen rate: Macht es euch so lange nett, wie es geht.

Das Gespräch führte Lydia Schneider-Benjamin.

Tags: Kölner Köpfe , Portait

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