Leben in Köln

Klimawandel – und was machen wir jetzt?

Antje Schlenker-Kortum · 17.11.2019

Mehr als 70.000 Menschen haben sich, nach Angaben der Veranstalter,  am 20. September in Köln versammelt, um für mehr Klimagerechtigkeit zu demonstrieren - unter ihnen auch die "Grannies for Future". Foto: Antje Schlenker-Kortum

Mehr als 70.000 Menschen haben sich, nach Angaben der Veranstalter, am 20. September in Köln versammelt, um für mehr Klimagerechtigkeit zu demonstrieren - unter ihnen auch die "Grannies for Future". Foto: Antje Schlenker-Kortum

Die "Grannies for Future" treffen sich regelmäßig, um Kinder und Jugendliche bei ihrem Protest für mehr Klimagerechtigkeit zu unterstützen. Lesen Sie mehr – im Interview mit Dieter Gehringer, einem der Gründer der Gruppe.

Kinder und Jugendliche demonstrieren immer freitags auf dem Alter Markt für weltweite Klimagerechtigkeit, die sogenannten „Fridays for Future“. Neben der Elterngruppe „Parents for Future“ trifft sich auch eine Gruppe älterer Menschen dort, die „Grannies for Future“, die „Großeltern“. Wir haben einige Links zusammengestellt und wir haben mit Dieter Gehringer über die Bewegung gesprochen.


Dieter Gehringer Foto: privat

" ... wir haben uns weitgehend bequem eingerichtet auf Kosten anderer. Der sogenannte „imperiale Lebensstil“ eignet sich Güter und Dienstbarkeiten an, die zu Lasten anderer in unserer Gesellschaft und in anderen Regionen und Ländern durch Ausbeutung und Naturzerstörung beschafft werden, mit dramatischen schädlichen Folgen für Klima, Umwelt und das soziale und wirtschaftliche Leben von uns allen. "

Auszug aus dem Flyer der "Grannies for Future".
Wer mehr zu dem Standpunkt der "Grannies for Future" zum Thema Klimagerechtigkeit erfahren und die Forderungen lesen möchte, kann hier den Flyer herunterladen.

 

KölnerLeben: Guten Tag Herr Gehringer. Schön, dass Sie uns einige Fragen beantworten. Die Demonstranten mit dem Banner „Grannies for Future“ sind relativ neu in Köln. Wie ist es zu dieser Gruppe gekommen?

Dieter Gehringer: Ich habe diese Gruppe zusammen mit Otto und Luise Jäger und Ulrich Lau am 12.4.2019 gegründet. Wir trafen uns zufällig am Rand der Fridays for Future-Demo auf dem Alter Markt in Köln. Wir standen zusammen und Ulrich Lau stellte die Frage. „Und was machen wir jetzt?“ Das war sozusagen die Initialzündung und wir haben uns für weitere Gespräche verabredet. Dabei ist dann sofort das Transparent entstanden, das mittlerweile über die Grenzen Kölns hinaus sehr bekannt ist.

Wer sind die „Grannies for Future“ heute? Wie viele Mitglieder gibt es inzwischen?

Unsere erste Gemeinsamkeit ist die Haarfarbe und es bestand sogar die Idee uns „Graue for Future“ zu nennen. Bei dem oben erwähnten Treffen haben wir uns dann für „Grannies“ entschieden, wissend, dass das eigentlich die weibliche Form ist (Anmerkung der Redaktion: „Grannies“ ist der englische Begriff für Großmütter). Trotz der Zusammensetzung damals, mit drei Männern und einer Frau, war das eine leichte Entscheidung. Mal die weibliche Form zu wählen, nachdem Jahrhunderte lang immer die männliche Form verwendet wurde. Wir verstehen uns vor allem als Unterstützung der Kinder und Jugendlichen – der „Fridays for Future-Bewegung“. Mittlerweile sind über 20 Personen in meinem Verteiler, die allerdings nicht immer an unseren Treffen teilnehmen konnten, weil sie bisher am Vormittag lagen. Deshalb werden wir uns in Zukunft an jedem zweiten und vierten Donnerstag um 17 Uhr treffen.

Engagement im Alter – eine Fortsetzung

Was hat Sie persönlich dazu bewogen, sich der Bewegung anzuschließen?

Als ehemaliger Lehrer für Sozialwissenschaften und Erdkunde habe ich bereits in den 80er Jahren das Thema Klimawandel im Unterricht behandelt und mehrfach dazu Projekte in der Schule durchgeführt. Insofern verstehe ich mein Engagement eher als Fortsetzung meiner beruflichen Tätigkeit. Ich kann natürlich nicht für meine Generation sprechen. Ich persönlich finde allerdings, dass wir mit Demut das Thema Klimagerechtigkeit diskutieren müssen. Wir waren es, die schon früher hätten konsequenter handeln müssen, dann wäre es heute billiger! Nebenbei war uns ja auch bewusst, dass der soziale Zusammenhalt in unserer Gesellschaft im Wesentlichen auf der Basis der Ausbeutung der sogenannten „Dritten Welt“ und der Natur funktionierte.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher auf den Demos gemacht?

Wir haben sehr oft auf den Demos die sehr positive Rückmeldung bekommen, dass wir sehr willkommen sind, auch von den Jugendlichen, die als Verantwortliche fungieren. Das sicher größte Lob aber war die Bemerkung einer Fünft- oder Sechstklässlerin, die sagte: „Ich finde Ihr Transparent mega-cool!“ Ich weiß aus Erfahrung, dass es in dieser Generation keine Steigerung dafür gibt.

Was erhoffen Sie sich von der Bewegung?

Ich hoffe und wir arbeiten daran, dass diese Bewegung über alle Generationen so groß wird, dass willige Politiker endlich den Mut aufbringen, ihren Wählern die „unbequemen Wahrheiten“ zu erklären und sich dafür einsetzen, dass es auch in der (Wahl-)Bevölkerung die Erkenntnis gibt, dass es nicht nur höchste Zeit für einen Politikwechsel ist, sondern, dass dieser unser aller Leben auch besser macht.

Vielen Dank für das Interview.


Die "Grannies for Future" auf der Großdemonstration mit dem ersten Banner (im Hintergrund). Wie auch die anderen Gruppen der "Fridays for Future-Bewegung" fordern sie eine Energiewende.

Bilderstrecke von der Großdemonstration im September

Fotos: Antje Schlenker-Kortum

Die Grannies treffen sich an jedem zweiten und vierten Donnerstag um 17 Uhr Greenpeace-Büro in der Arndtstr. 12.

Informationen

Dieter Gehringer
E-Mail: dghfr@web.de.

Links

Wenn Sie sich die Videos anschauen möchten dann klicken oder tippen Sie in das Bild.

Ein Video über Klimagerechtigkeit in leichter Sprache:


Quelle: Youtube

 

Ein anspruchsvolles Video über Klimaungerechtigkeit von Dr. Tadzio Müller, Rosa-Luxemburg-Stiftung.


Quelle: Youtube

 

Schwänzen fürs Klima? Fridays For Future | WDR Doku


Quelle: Youtube

Tags: Grannies for Future , Klimagerechtigkeit

Kategorien: Leben in Köln