Ehrenamt

Hasan Ates

Lydia Schneider-Benjamin · 27.08.2020

Hasan Ates. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Hasan Ates. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der "Miteinander-Preis Köln für Demokratie und Vielfalt" vergeben, der nun dauerhaft etabliert wird. Dieser Preis würdigt das ehrenamtliche Engagement von Kölnerinnen und Kölnern mit Migrationshintergrund. Der erste Preisträger ist Hasan Ates.

Er kam in den frühen 70er Jahren aus der Türkei nach Köln. Seitdem setzt er sich für ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen ein. Jetzt erhielt der 73-Jährige den Ehrenamtspreis der Stadt Köln.

Herr Ates, herzlichen Glückwunsch zum Ehrenamtspreis! Für welches Engagement haben Sie ihn erhalten?

Danke schön! Ich denke, für alles zusammen, da ist eine lange Liste zusammengekommen.

Gut, dann fangen wir am Anfang an: Wann und wo wurden Sie geboren?

Ich wurde 1947 in der Ost-Türkei geboren und erlernte den Beruf des Modellbauers. 1965 ging ich nach Istanbul zu Ford Otosan, die auch eng mit Ford Deutschland kooperierten. Es gab damals ein deutsch-türkisches Arbeitsamt und in Deutschland wurden dringend Fachkräfte gesucht. Also reiste ich 1972 nach Köln, sogar die Zugkosten wurden vom Staat übernommen. Ich fing bei Ford an und war weiter aktiv in der Gewerkschaft. Ich wurde ehrenamtlicher Vertrauensmann, immerhin arbeiteten 13.000 Türken dort. Da war es auch kein Problem, dass ich noch nicht gut Deutsch sprach. Wir haben einfach immer im Team gearbeitet und uns ergänzt.

Sie hatten zu dem Zeitpunkt noch keine Familie?

Oh doch, ich hatte schon eine Frau und eine zweijährige Tochter, die aber eigentlich erst nach einer Wartezeit von einem Jahr hätten einreisen dürfen. Ich hatte aber schon eine Wohnung – meine erste Adresse war übrigens in der Ehrenfelder Gutenbergstraße. Ehrenfeld bin ich bis heute treu geblieben. Also kam meine Familie früher, erstmal nur geduldet, ohne Reiseerlaubnis. Meine beiden Söhne wurden dann hier geboren.

Aber das hat Sie noch nicht ausgelastet?

Es ist so: Ich liebe Köln. Und habe mich gefragt: Was kann ich noch für Köln machen? Ich rauche nicht, gehe nicht wie andere Männer ins Café … also dachte ich: Besser engagiere ich mich sozial.

Spielt da auch Ihre Religion eine Rolle?

Ja, bestimmt. Ich gehöre der alevitischen Gemeinde an, wir sind sehr modern und weltoffen, bei uns gibt es kein Kopftuch. Und meine Tochter hat auch studiert.

Wo waren Sie denn dann überall aktiv?

Bis 2016 war ich Mitglied im Ausländerbeirat, als Mitglied der SPD war ich im Ortsverein Ehrenfeld aktiv, habe den Deutsch-Arbeitskreis Köln mitgegründet und bin aktiv im Städtepartnerschaftsverein Köln-Istanbul, um einige zu nennen.

Und Sport machen Sie auch noch?

Ja, ich laufe Marathon im interkulturellen „Colonia Team“, auch heute noch regelmäßig 15 Kilometer. Ich versuche gesund zu bleiben, auch für meine fünf Enkelkinder. Und ich will mich weiter für Menschen einsetzen. Was ich kann, mache ich. Und wie der ADAC bin ich 24 Stunden am Tag erreichbar, wenn es brennt.

Das Gespräch führte Lydia Schneider-Benjamin


Sehen Sie ein Video des Vereins Köln-Istanbul e.V. Quelle: Youtube

 

Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite: www.koeln-istanbul.de

Tags: Auszeichnung , Ehrenamt und Freiwilligkeit

Kategorien: Ehrenamt