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Blasenschwäche – ihre häufigsten Ursachen, Formen und Therapien

Lisa von Prondzinski · 08.05.2026

Ständig müssen müssen. Foto: iStock.com/Andrey Zhuravlev

Ständig müssen müssen. Foto: iStock.com/Andrey Zhuravlev

Welche Formen von Blasenschwäche gibt es? Was hilft Männern, was Frauen? Lesen Sie aktuelle medizinische Erkenntnisse zu Inkontinenz sowie Adressen für Fachkliniken in Köln.

Simone K., 63, sitzt im Kino oder Theater am liebsten am Rand. Nicht, weil sie das so möchte, sondern weil sie muss. „Dort sehe ich zwar schlechter, aber störe niemanden, wenn ich zur Toilette muss“, erzählt sie. Und immer ist der Gedanke da: „Hoffentlich ist eine Toilette in der Nähe.“ Bei Blasenschwäche sprechen Mediziner von Harninkontinenz. Betroffene haben keine Kontrolle über den Urin, der tröpfchenweise oder in größeren Mengen austritt. Dabei trifft es häufiger ältere Erwachsene. Rund 22 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer zwischen 65 und 79 Jahren sind davon betroffen. Unter den Hochaltrigen ist der Anteil noch höher.

Welche Formen der Blasenschwäche gibt es?

Es gibt mehrere Formen der Harninkontinenz. Am häufigsten treten Belastungs- und Dranginkontinenz oder eine Mischform auf. Bei der Belastungsinkontinenz spüren Betroffene keinen Harndrang, verlieren aber ungewollt Urin, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. Sei es beim Lachen, Husten oder Heben. In ausgeprägten Fällen genügt schon eine kleine Bewegung im Liegen.

Bei der Dranginkontinenz dagegen zieht sich der überaktive Blasenmuskel unkontrolliert zusammen und löst überfallartig einen starken Harndrang aus, obwohl die Blase gar nicht voll ist – mitunter stündlich. „Die Gründe für unkontrollierten Harnverlust sind vielschichtig und nicht immer eindeutig auseinanderzuhalten“, erklärt Dr. Corinna Tratz, Oberärztin im Beckenbodenzentrum im „Severinsklösterchen“, dem Krankenhaus der Augustinerinnen in der Südstadt.

„Die Blasenkontrolle ist ein komplexer Vorgang. Gehirn, Rückenmark, Muskeln und Nerven müssen dabei sinnvoll zusammenarbeiten.“ Mit zunehmendem Alter können diese Abläufe leichter aus dem Gleichgewicht geraten. So schwächelt beispielsweise die Beckenbodenmuskulatur infolge schwerer Geburten, Übergewichts, hormoneller Veränderungen oder harter körperlicher Arbeit. Als Folge können sich zum Beispiel die Gebärmutter und die Blase absenken, wodurch die Schließmuskeln nicht mehr richtig funktionieren.

Was sind häufige Ursachen?

Bei Männern spielt oft eine gutartige Prostatavergrößerung, die die Harnröhre einengt, eine Rolle. Aber auch Erkrankungen wie Diabetes oder bestimmte Medikamente können Inkontinenz auslösen. Viele Möglichkeiten der Behandlung Obwohl Inkontinenz weit verbreitet ist, ist es ein Tabuthema. Denn die Blase nicht unter Kontrolle zu haben, empfinden viele als entwürdigend und schweigen deshalb aus Scham. Doch Hilfe ist im Frühstadium und auch später möglich. „Man muss jedoch ein wenig Geduld mitbringen, bis sich eine spürbare Verbesserung zeigt“, betont Dr. Tratz.

Wie wirksam sind Hilfsmittel aus dem Handel, Muskeltraining oder Operation?

Betroffene sollten KölnerLeben sich ihrem Hausarzt, ihrer Gynäkologin oder ihrem Urologen anvertrauen. „Wie eine Behandlung letztlich ausfällt, hängt immer vom Einzelfall ab“, so die Medizinerin. Bei leichter Belastungsinkontinenz genügen oft schon frei verkäufliche Ringe, Würfel oder Tampons, die in die Scheide eingeführt werden. Sie sollen die Beckenorgane stützen.

Beim Biofeedback wiederum machen Sensoren die Beckenbodenanspannung sichtbar. So lernen Betroffene, diese Muskeln zu stärken. Übergewichtige sollten abnehmen. Wirkt alles nicht, kann ein operativer Eingriff Abhilfe schaffen. Um eine Absenkung der Blase zu verhindern, hat sich bei Frauen die minimalinvasive Schlingen-Operation bewährt. Dabei wird ein Band unter die Harnröhre gelegt und hinter dem Schambein nach oben geführt. Die Dranginkontinenz wird zunächst medikamentös behandelt. Bleibt die erhoffte Besserung aus, kann die Behandlung mit Botox, das auch aus der Schönheitschirurgie bekannt ist, den überaktiven Muskel beruhigen.

Bei Männern ist ein künstlicher Blasenschließmuskel, um die Harnröhre gelegt, eine Option. Sicherheit geben in jedem Fall Slip-Einlagen, die es speziell für Frauen und Männer gibt. Welche Eingriffe infrage kommen, sollte mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Simone K. hat dafür einen Termin im Beckenbodenzentrum gemacht und hofft, dass es besser wird. Eine Ballonfahrt ist einer ihrer größten Wünsche: „Das traue ich mich im Moment aber nicht, denn was sollte ich tun, wenn ich da oben plötzlich auf die Toilette muss?“

Informationen

Fachkliniken, die auf die Behandlung von Inkontinenz spezialisiert sind:

Krankenhaus der Augustinerinnen – Severinsklösterchen
Beckenbodenzentrum
Jakobstr. 27–31, Tel. 0221 / 33 08-13 21
www.severinskloesterchen.de/zentren/beckenbodenzentrum

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Uniklinik Köln
Klinik für Urologie,
Uro-Onkologie, spezielle urologische und roboterassistierte Chirurgie
Kerpener Str. 62,
Gebäude 18a, Ebene 1
Sprechstunde: Fr 8.30–13 Uhr
Tel. 0221 / 478-820 94
www.uk-koeln.de/kliniken-institute-und-zentren/kontinenz-und-beckenbodenzentrum/

Evangelisches Klinikum Köln Weyertal
Weyertal 76
Proktologische Sprechstunde: Di, Do, Fr 9–12 Uhr
Tel. 0221 / 479-22 12
www.evk-koeln.de

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Tags: Blasenschwäche , Inkontinenz , Operation

Kategorien: Gesund leben