Leben in Köln

Wie komme ich da rein?

Dr. Herbert Mück-KölnerLeben Ausgabe 6/2017 · 04.12.2017

Seniorenvertreter Dr. Herbert Mück beim Versuch, im Rollstuhl eine Tür des Bezirksrathauses zu öffnen. (Foto: SVK)

Seniorenvertreter Dr. Herbert Mück beim Versuch, im Rollstuhl eine Tür des Bezirksrathauses zu öffnen. (Foto: SVK)

Ein Beitrag der Seniorenvertretung der Stadt Köln

Maria K., 71 Jahre, halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl vor einer Seniorenberatungsstelle. Drei hohe Treppenstufen und ein fehlender zweiter Handlauf auf der nicht gelähmten Seite verbarrikadieren ihr den Zutritt. Eine Klingel, um Hilfe zu holen, ist nicht in Reichweite. Frau K. fährt unverrichteter Dinge weiter. Helmut S., 69 Jahre, ist wegen Multipler Sklerose ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen. Er ist alleinstehend und bezieht nur eine geringe Rente. Gerne gönnt er sich wenigstens einmal wöchentlich das preisgünstige Mittagessen in der Kantine des nahegelegenen Bezirksrathauses. Jedes Mal hofft er auf hilfsbereite Mitbürger. Denn ohne deren Hilfe kann er die schwergängigen Rathaustüren kaum öffnen.

Was haben Maria K. und Helmut S. vor allem gemeinsam? Beide haben sich an die Kölner Seniorenvertretung gewandt und diese um Unterstützung gebeten. Fünf Monate später kann sich Maria K. vor der Beratungsstelle dank einer auf Straßenniveau neu installierten Klingel bemerkbar machen und mithilfe des neu angebrachten Handlaufs kann sie ins Innere der Beratungsstelle gelangen. Helmut S. hat zumindest schon die sichere Aussicht, dass es in absehbarer Zeit elektrische Türöffner im Bezirksrathaus geben wird. Solche Beispiele veranschaulichen, was Seniorenvertretungen zumindest in Sachen Barrierefreiheit mitunter erreichen können.

„Altersbarrieren“ jeglicher Art abbauen

Eine 2017 veröffentlichte Befragung der Aktion Mensch zeigt, dass Köln im Hinblick auf Barrierefreiheit unter Deutschlands größten Städten das Schlusslicht darstellt. Viele der 47 Kölner Seniorenvertreterinnen und Seniorenvertreter engagieren sich daher dafür, „Altersbarrieren“ jeglicher Art abzubauen. Zum einen vertreten sie konkrete Anliegen älterer Einwohner Kölns gegenüber den eigentlich zuständigen Stellen. Zum anderen engagiert sich die Seniorenvertretung auch aus eigener Initiative bei grundsätzlichen Fragen von Barrierefreiheit und Mobilität. So geht es in ständigen Kontakten mit der KVB immer wieder auch darum, älteren Bürgern freie Fahrten zuzugestehen und bestimmte Streckenführungen zu optimieren. In einzelnen Stadtteilen engagieren sich die Seniorenvertretungen vermehrt für freie Gehwege, ausreichende Sitzgelegenheiten und öffentliche Toiletten. Sie entwickeln seniorengerechte und informative „Rundgänge“ durch die Veedel. In Ratsausschüssen setzen sie sich dafür ein, wichtige Haltestellen barrierefrei zu gestalten. Sie fordern, dass wichtige Einrichtungen für sehbeeinträchtigte Menschen besser im Straßenbild erkennbar werden, und plädieren für „Mehrgenerationen-Plätze“ mit Bewegungsangeboten auch für Senioren.

„Barrierefreiheit“ sollte bei jedem von uns selbst beginnen, gibt die Kölner Seniorenvertretung zu bedenken. Denn es sind nicht unbedingt immer fehlende Fahrstühle oder Handläufe, die Senioren von einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abhalten. Viel häufiger sind es innere „Glaubenssätze“, die zu einem Hindernis werden, oder der Verzicht auf Hilfsmittel und auf ausreichende Bewegung.

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