Leben in Köln

Platz – Sieg – Spaß

Jürgen Schön-KölnerLeben Ausgabe 5/2017 · 10.10.2017

Foto: 2016/www.primetime-cinematic.com

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Vor 120 Jahren wurde der Kölner Renn-Verein gegründet. Bereits ein Jahr später eröffnete er Kölns erste Sportstätte: eine Galopprennbahn in Weidenpesch. Nach wie vor zieht sie Besucher in ihren Bann.

Natürlich wetten wir. Das gehört dazu!“ Das Ehepaar Hedwig und Manfred Ross ist Stammgast auf der Galopprennbahn. „Wir halten das Risiko klein“, sagen sie, „der Kühlschrank muss voll bleiben.“ Nicht alle sprechen so offen über ihre Wettleidenschaft. Und erst recht nicht über Gewinne. 15.000 Euro waren nach Erinnerung von Tobias Strack der Höchstgewinn, der einmal in Köln ausgezahlt wurde. Er muss es wissen. Sein Vater hat über fünfzig Jahre lang den Wettbetrieb an den über 100 Schaltern organisiert, bevor er dessen Nachfolge übernahm.

Auf sechs Arten kann gewettet werden. Am einfachsten ist die „Sieg-Wette“: Das getippte Pferd gewinnt! Dann gibt es noch unterschiedliche Kombinationswetten auf „Platz“. Um zu gewinnen, müssen die Favoriten einen der ersten vier Plätze belegen. Je nach Quote, das ist die Verteilung der Wetteinnahmen unter die Gewinner, kann der Gewinn auch schon mal geringer ausfallen als der Einsatz. Pech gehabt.

Viel Pech beim Wetten muss der Kölner Krätzchensänger Willi Ostermann gehabt haben. Einmal – so wird erzählt – fand seine Frau kurz vor Weihnachten in seinem Anzug jede Menge „Nieten“. Und so hingen dann am Christbaum statt Lametta alle seine Tippscheine.

Kasperle und Jockeys

Heute stehen beim „Familientag“ die Träume vom schnellen Gewinn hintenan. Auf der Wiese zwischen Rennbahn und Haupttribüne haben es sich Eltern mit ihren Kindern bequem gemacht. In einem eigenen Terrain werden Hüpfburg, Schminken und Kasperle-Theater für die Kleinen geboten. Wer keine Lust auf Picknick hat, kann im Restaurant „Hippodrom“ das bunte Treiben gemütlich bei Kaffee und Kuchen beobachten.

Vor jedem der sechs Rennen kann man im Führring einen prüfenden Blick auf „Dragon Lips“, „Asi es la vida“ und „Girolamo“ werfen. Oder auf die zierlichen Jockeys. Die meisten bringen nicht mehr als 50 Kilogramm auf die Waage.

Die Galoppbahn ist 2.000 Meter lang, durch die Verlegung des Starts können Rennen zwischen 1.300 und 3.800 Metern Distanz ausgetragen werden. Als es so weit ist, streben viele Schaulustige, die Kinder auf den Schultern, dem Zaun an der Rennstrecke zu.

Andere beobachten die Rennen lieber von der denkmalgeschützten Tribüne aus. Sie bietet Platz für 1.200 Besucher und ist das historische Prunkstück der Rennbahn. Ihre Konstruktion aus Gusseisen ist inspiriert vom Pariser Eiffelturm. Kein Wunder, schließlich war der Berliner Architekt und Rennbahn-Erbauer Otto March ein enger Mitarbeiter des Parisers Gustav Eiffel.

Gebannt lauschen alle der Stimme des Kommentators, bis man die Galopper heranfliegen sieht. Die Erde spritzt auf, man hört das Schnauben der Pferde und Schnalzen der Reiter, wenn sie für einen Moment an einem vorüberziehen. „Dragon Lips vorne, Dragon Lips gewinnt! Wow, ist das ein Rennpferd!“, jubelt die Lautsprecherstimme. Manches Gesicht hellt sich erfreut auf, viele Wettscheine werden enttäuscht in den Papierkorb geworfen.

PS und Pferdestärken

Wer hier allerdings den extravaganten Flair à la Baden-Baden oder dem englischen Ascot sucht, wird enttäuscht sein. Denn Philipp Hein, Geschäftsführer des Kölner Renn-Vereins, legt großen Wert auf die familiäre Atmosphäre und schöne Veranstaltungen, manche auch mit Benefizcharakter. „Unsere Veranstaltungen sollen jedes Familienmitglied ansprechen. Darauf legen wir bei den Planungen größten Wert und die Zuschauer zahlen es uns mit positivem Feedback zurück“, so Hein. Denn neben den Kinderattraktionen gibt es im Anschluss an die Rennen Konzerte, etwa mit „Kasalla“. An rennfreien Tagen lockt das schöne Gelände mit Autoshows, Flohmärkten oder dem weihnachtlichen Winterdorf.

Wer dieses Jahr noch ein Rennen erleben will, sollte am 15. Oktober vorbeischauen, dann endet die Saison. Gleichzeitig kann er viel über die 24 Kölner Partnerschaftsvereine erfahren, die sich dort vorstellen. Ausgetragen wird der „Preis der Winterfavoriten“, Kölns ältestes Pferderennen, Premiere war im Jahr 1899. Das Ehepaar Ross hat den Tag schon im Kalender angestrichen. „Vielleicht haben wir dann mehr Glück“, meinen sie, „auf jeden Fall werden wir wieder viel Spaß haben!“

Galopprennbahn Köln
Rennbahnstr. 152
Haupteingang: Scheibenstraße
50737 Köln
Tel. 0221 / 974 50 50

Karten ab 10 Euro an der Tageskasse oder vorab bei Kölnticket unter Tel. 0221 / 28 01 (inklusive VRS-Ticket), es gibt Ermäßigungen für Rentner, Kinder bis 14 Jahre frei.
Familienkarten: Es gibt Mengenrabatt, so kosten 2 Erwachsene und 4 Kinder 2,70 Euro pro Person.
Der Besuch außerhalb der Renntage ist kostenlos.

Renntag Kölner Partnerstädte:
Sonntag, 15. Oktober, ab 13 Uhr
Es werden Kombitickets angeboten, darin ist eine Führung um 12 Uhr enthalten.

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