Leben in Köln

Kölner Stadtforscher

js · 08.11.2018

Von 1926 bis 1928 gab es vor St. Kunibert einen Landeplatz für Wasserflugzeuge. Modell & Foto: Werner Müller

Von 1926 bis 1928 gab es vor St. Kunibert einen Landeplatz für Wasserflugzeuge. Modell & Foto: Werner Müller

Eine Binsenweisheit: Geschichte wird von Männern gemacht. Mächtigen Männern. Aber wer hat die Kriege für Cäsar oder Friedrich den Großen gewonnen? Und wer schleppte die Steine für den Kölner Dom?

Es waren vor allem Amateur-Historiker, die die „Geschichte von unten“ begründeten. Auch in Köln. So macht etwa seit 1985 der Frauengeschichtsverein Kölns Stadtgeschichte weiblicher. Und schon 1982 wurde das „Archiv für Stadtteilgeschichte Köln-Nippes“ gegründet.

Vereinsvorstand Pit Hoff (60) und Anne Ullrich (69) sitzen in einem kleinen Büro im Bürgerzentrum Nippes. An den Wänden Aktenordner, dicht an dicht. Darin alles, was es zu Politik, Wirtschaft oder Freizeit in Nippes gibt. Auch jede Menge Fotos. Stolz zeigen sie die Bücher, die schon erschienen sind. Wie „De Fahn erus“ über die Zeit des Nationalsozialismus, ein Kapitel Veedelsgeschichte, das noch nicht beendet ist. Soll ein kleiner Weg in der Nachbarschaft den Namen des Ehepaares Sawarowski tragen? Beide waren Kommunisten, er wurde von den Nazis erschossen, sie starb im Konzentrationslager.

Eine Fleißarbeit war der große Straßenplan, der zeigt, welche Geschäfte es von 1927 bis 2007 entlang der Neusser Straße gab. „In der Nachkriegszeit gab es in Nippes alles zu kaufen“, weiß Hoff. Als Nächstes wollen sie erforschen, wie sich Nippes 1888 vergeblich gegen die Eingemeindung nach Köln wehrte. Als Quellen dienen nicht nur alte Akten, Zeitungen oder Nachlässe. Wichtig ist auch das mündlich Überlieferte: „So setzt sich Erinnerung zusammen“, meint Hoff.

Aus der Zeit der Zeppeline und Wasserflugzeuge

Vereine sind das eine, das andere sind Einzelkämpfer. Wie Werner Müller. Der 54-Jährige ist Experte für Kölner Luftfahrtgeschichte. Eine Leidenschaft, die schon früh mit dem Bau von Flugzeugmodellen begann. Heute kann er mit seinem „Historischen Luftfahrtarchiv Köln“ die Geschichte vom Butzweiler Hof bis zum Konrad-Adenauer-Flughafen dokumentieren. Sein Stolz ist ein Konstruktionsnetz aus dem ersten Zeppelin, der in Köln landete. Für die aktuelle Ausstellung „einFLUSSreich“ im Stadtarchiv am Heumarkt baute er das Modell des Wasserflugzeug- Landeplatzes vor St. Kunibert.

Damit er sich besser mit anderen vernetzen kann, hat Müller jetzt mit dem Odysseum den „Tag der Kölner Stadtgeschichte“ ins Leben gerufen. Dort werden sich die Amateur-Historiker erstmals treffen und sich der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei ist dann auch Hans Burgwinkel. Er fand durch Zufall zur Geschichte. Nach einem schweren Unfall schwor er: „Wenn ich das überlebe, baue ich eine Kapelle oder engagiere mich ehrenamtlich“. Er entschied sich für Letzteres und trat dem Poller Bürgerverein bei.

Dort wollte man 1993 die Tradition des Maifestes aufleben lassen. Er nahm die Sache in die Hand und stieß auf einen Verein namens „Poller Maigeloog“, der das Fest früher organisiert hatte.

Maifischen, Nepomuk und Rheinbrücke


Poller Fischfrauen haben ihren Maifisch-Verkauf in Köln beendet – erfolgreich, wie es scheint. Foto: Sammlung Burgwinkel

Keiner wusste Genaues, doch Burgwinkel begann zu recherchieren – und die Poller Geschichte ließ ihn nicht mehr los. Seitdem sammelt er alles, was er über „seinen“ Stadtteil finden kann. Postkarten und Grafiken vor allem, auch manche Kostbarkeit aus Nachlässen ist dabei. 70.000 Euro hat er bisher für sein Hobby aufgewendet, auch für gut 10.000 historische Dokumente. Doch er betont: Ich bin Historien-Sammler, kein Historiker.“

Und er machte manche Entdeckung. Im Keller der Gaststätte „Zum Jägerhof“ fand Burgwinkel Glasfenster über das Maifischen, die seit sechzig Jahren als verschollen galten. Er fand heraus, dass der steinerne Nepomuk am Schokoladenmuseum von einem Poller Steinmetz gehauen wurde. Und dass die US-Truppen 1945 die erste Rheinbrücke bei Poll bauten. Er ist überzeugt: „Das Wissen über unsere Vergangenheit darf nicht verloren gehen. Aus der Geschichte kann man lernen.“ Etwa den sorgsamen Umgang mit Traditionen.

Ausstellung „einFLUSSreich. Köln und seine Häfen“
Bis 16. November.
Dienstag bis Sonntag, 10–16.30 Uhr, Mittwoch bis 19.30 Uhr. Eintritt frei.
Historisches Archiv, Heumarkt 14, Innenstadt.
Tel. 0221 / 221-2 23 27.

Sammlung Hans Burgwinkel
Gut 60 Tafeln erzählen Poller Geschichte von der Steinzeit bis heute, von Krieg und Frieden, von Industrie und Handel, von Arbeit und Feiern.
Täglich 9–23 Uhr.
Cologne Sportspark, Poller Weg 1, Poll.

Tags: Geschichte , Kultur

Kategorien: Leben in Köln