Leben in Köln

Evangelisches Leben in Köln

Günter Leitner · 09.10.2017

Der Reformator auf einem Bild von Lukas Cranach dem Älteren

Der Reformator auf einem Bild von Lukas Cranach dem Älteren

Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation. Wie lebten und was erlebten evangelische Christen seither im katholisch geprägten Köln? Und gab es eine besondere Beziehung zwischen dem Reformator und der rheinischen Metropole?

1517 hatte Martin Luther (1483–1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Fünf Jahre zuvor, also im Jahre 1512, weilte Luther nachgewiesener Maßen in Köln. Es sollte ein Besuch mit weitreichenden Folgen werden.

Den beschwerlichen Fußweg von Wittenberg an den Rhein nahm der Augustinermönch auf sich, um dem Ordenskapitel der Augustiner-Eremiten über eine 1511 unternommene Reise nach Rom zu berichten. Zwar hatte er dort nicht, wie gehofft, den Papst angetroffen, dennoch muss der Reisebericht des wortgewaltigen Luther starken Eindruck auf seine Mitbrüder gemacht haben. Gewissermaßen wurde er im Kölner Kloster auf der Hohe Straße am heutigen Augustinerplatz entdeckt. Es war der Beginn einer steilen Ordenskarriere. Die Ordensleute wählten ihren Bruder zum Stellvertreter des Priors im Wittenberger Kloster, gleichzeitig wurde er für die Bibelprofessur an der örtlichen Universität "Leucorea" vorgesehen.

Magier und Weise, keine Könige

Bei seinem Aufenthalt in Köln soll Martin Luther einer Erzählung zufolge auch den Dom besucht haben. Geführt wurde er von einem Geistlichen. Immer wieder sprach dieser von den Gebeinen der Heiligen  Drei Könige. Schließlich wurde es Luther zu bunt und er meinte: "Das Geschwätz von den Heiligen Drei Königen kann ich nicht mehr hören." Luther soll darauf hin des Domes verwiesen worden sein, wohl unter dem Vorwurf mangelnden Glaubens an die Echtheit der Gebeine. Tatsächlich wollte er aber nur das hören, was im Matthäusevangelium zu lesen ist: Magier waren sie, drei Weise, aber eben keine Könige.

Luther: Keine Sympathie für Köln

Dass Luther aus dem Kölner Dom verjagt wurde mag eine humorvolle, vielleicht auch erfundene Geschichte sein. Einige Worte von Luther über Köln sind aber belegt und zeugen nicht gerade von Sympathie für die rheinische Metropole. Den Dom bewertet er wegen seiner Größe als „gänzlich ungeeignet für Predigten“, vor allem „durch seine vier Reihen Pfeiler“. Auch war ihm zweifelhaft, wo die 11.000 Jungfrauen begraben sind. In seinem Frust ließ er sich Wein bringen. Wenig schmeichelhaft urteilte er, dass ihm der Kölner Tropfen „bis in die Fingerspitzen geprickelt“ habe, so sauer fand der ihn.

Erst brennen Bücher …

Zurück in Wittenberg nutzte Luther seine in Köln erworbene neue Stellung. Flugs promovierte er zum Doktor der Theologie und verfasste seine ersten reformatorischen Schriften. Die Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Schriften kursierten in gedruckter Form im gesamten Deutschen Raum. Vor allem in den Städten fanden die Aussagen Anhänger. Zwischen 1520 und 1540 bekannten sich fast alle Reichs- und Hansestädte zur Reformation, nur Köln entzog sich der Bewegung. Daher verwundert es auch nicht, dass die Theologische Fakultät der Universität zu Köln als die Instanz bestimmt wurde, die Luthers Aussagen prüfen sollte. Das Ergebnis: Ketzerische Schriften, die verbrannt werden mussten. Und tatsächlich loderten im November 1520 am Dom die Flammen, die Schriften wurden mit kaiserlicher Erlaubnis öffentlich verbrannt.

… dann auch Menschen

Den Büchern folgten Menschen. Im Jahre 1529 wurde Adolf Clarenbach wegen seiner Gedanken zum Sakramentenempfang und seiner Nähe zum reformatorischen Denken zum Tode verurteilt. Zusammen mit Peter von Fliesteden, der seine Abscheu über die alte Liturgie durch Spucken während des Abendmahls im Kölner Dom dokumentierte, wurde er auf dem Rabenstein, dem Hinrichtungsort auf Melaten verbrannt. Clarenbach soll vor seinem gewaltsamen Tod ausgerufen haben: "O Köln, Köln, wie verfolgst du das Wort Gottes." Erinnert wird an die Hinrichtung mit einem blockhaften Denkmal am Haupteingang des Melatenfriedhofs an der Piusstraße.

Denkstein Melaten
Das Denkmal für die 1529 hingerichteten Adolf Clarenbach und Peter von Fliesteden am Melatenfriedhof. Foto: Günter Leitner

Bleiberecht ohne Bürgerrecht

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts folgte dann die Phase der Duldung der evangelischen Christen in der Stadt. Sie konnten auch gewerblich tätig werden, wenn sie sich unter den Schutz eines Katholiken stellten. Das Statut des "Beysassen" war geboren, eine Art Bleiberecht in einer Stadt mit eingeschränktem Bürgerrecht. Diese Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs endete mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Geduldet wurden evangelische Einwanderer nur noch, wenn es der Stärkung der Wirtschaft diente.

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