Gesund leben

Schwerhörig im Alter

dt · 16.05.2018

Foto: Unsplash.com

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Das menschliche Ohr ist ein Wunderwerk der Natur. Es vermittelt nicht nur akustische Informationen, sondern auch großartige sinnliche Eindrücke. Wenn es denn dazu in der Lage ist.

Unser Ohr ist ein wichtiges Organ. Sich unterhalten, Musik genießen, Warnsignale hören – die Liste ließe sich unendlich fortführen. Für alles brauchen wir das Gehör. Und das leistet Außerordentliches. Vom Außenohr aufgefangene Schallwellen werden über das Trommelfell ins Mittelohr geleitet und dort verstärkt. Treffen sie dann im Innenohr auf die „Hörschnecke“, das eigentliche Hörorgan, werden sie in elektrische Impulse umgewandelt und ins Gehirn geleitet.

Doch dieser hochkomplexe Vorgang kann in vielfältiger Weise gestört werden. Eine Umfrage bei 13.000 über 60-Jährigen ergab, dass nur noch 16 Prozent normal hören konnten. Erkrankungen, Infektionen, Stress, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten oder die Folgen eines Schlaganfalls können die Ursache dafür sein. Oder die Altersschwerhörigkeit ist schuld daran, dass wir das Zwitschern der Vögel oder den Ruf des Enkelkinds nicht mehr hören.

Altersschwerhörigkeit – ein langsamer Prozess

Nicht jeder wird im Alter schwerhörig. Zwar altert jedes Gehör mit seinem Besitzer, aber jedes anders und es ist oft ein schleichender Prozess. So ist es typisch für Altersschwerhörigkeit, dass man zunächst hohe Töne schlechter hören kann. Nach und nach lässt das Hörvermögen auch bei mittleren und tiefen Frequenzen nach. Irgendwann bemerkt man, dass man Gesprächen in geselliger Runde nicht mehr folgen kann, den Fernseher immer lauter dreht oder immer öfter nachfragen muss. Darunter kann das Sozialleben beträchtlich leiden. Mancher meidet schließlich sogar gemütliches Beisammensein und andere gesellschaftliche Situationen, aus Sorge oder Scham, dass er Gesprochenes falsch oder gar nicht verstehen könnte. Das führt bis in die gesellschaftliche Isolation oder gar Depression

Nicht zu lange warten

Bis sich solch schwerwiegende Folgen einstellen, vergehen durchschnittlich sieben und mehr Jahre. In dieser Zeit verlernt das Gehirn bereits viele Geräusche. Oft haben Menschen dann Schwierigkeiten, wenn ihnen ein Hörgerät oder andere Hilfen angepasst werden. Denn plötzlich ist die Welt wieder laut. Mit voller Wucht schallt es ins Gehirn, das die Flut der Geräusche, Töne und Tonfolgen zunächst nicht mehr zuordnen kann. Stress ist die Folge. Mancher lässt das Hörgerät dann lieber auf dem Nachttisch liegen.

Daher sollte man sich lieber früher als später an Fachleute wenden. Und nicht immer steht am Ende das Hörgerät: Manchmal kann es schon helfen, Medikamente anders zu kombinieren. Von Hörtraining in leichten Fällen bis zum Implantat reichen die Therapien. Wird zum Beispiel ein Hörgerät verordnet, leistet die gesetzliche Krankenkasse für ihre Versicherten eine Zuzahlung von 785 Euro. Darin enthalten sind neben Anpassung und Testen auch Wartung und die Reparatur.

Nützliches Wissen rund um Hören, Hörverlust und Hörgeräte: Hören Heute.

Interessante, nicht kommerzielle Seite für Verbraucher: Hear it (in sechs Sprachen)

DazugeHören
Ein Ratgeber für Hörgeschädigte und ihre Angehörigen
von Doris Jäger-Flor.
124 Seiten,
15,90 Euro.
ISBN 978-3-944996-47-9
www.vep-landau.de

Sollte ich einen Hörtest machen?

Wenn Sie mehrere der folgenden zehn Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Ihren Hausarzt oder einen Hörakustiker aufsuchen. Auch die Hörtests beim Hörakustiker sind kostenlos.

Haben Sie im Gespräch das Gefühl, dass Ihr Gegenüber nuschelt?

Fällt es Ihnen schwer, sich mit jemandem in einer Gaststätte oder auf einem Fest zu unterhalten?

Sprechen Sie selbst manchmal so laut, dass man Sie bittet, doch leiser fortzufahren?

Haben Sie Schwierigkeiten, jemanden zu verstehen, der hinter Ihnen steht?

Verstehen Sie Ihre Gesprächspartner am Telefon häufig schlecht?

Verstehen Sie nicht, wenn Kinder mit Ihnen sprechen (hohe Tonlagen)?

Stellen Sie den Fernseher oder das Radio manchmal so laut, dass andere sich beschweren?

Überhören Sie schon mal die Telefon- oder Türklingel?

Haben Sie schon einmal das Herannahen eines Autos oder das Klingeln eines Fahrrades hinter Ihnen erst im letzten Moment bemerkt?

Haben andere Menschen Ihnen gesagt, dass Sie schlecht hören?

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