Gesund leben

Mit Feueratmung zu innerer Balance

Anja Janßen-KölnerLeben-Ausgabe 3/2017 · 30.06.2017

Yoga ist zu einer Massenbewegung im Gesundheitsbereich geworden. Foto: fotolia.com

Yoga ist zu einer Massenbewegung im Gesundheitsbereich geworden. Foto: fotolia.com

Durch die Kombination von körperlichem Training, Atemübungen und Meditation sollen Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden. Und das in jedem Alter.

Es ist still im lichtdurchfluteten Gemeinderaum der Lutherkirche. Gedämpft dringen die monotonen Geräusche der Straße durch die geschlossenen Fenster. Inge Sagemüller wendet sich mit ihrer angenehm ruhigen Stimme ihren Teilnehmerinnen zu. Sie sitzen auf Stühlen oder im Schneidersitz auf dem Boden, halten die Augen geschlossen und atmen langsam ein und aus. Jede ihrer Yoga-Einheiten beginnt Trainerin Sagemüller mit sogenannten Asanas, was so viel wie „Sitz“ oder „Körperhaltung“ bedeutet. Dabei werden bestimmte ruhende Positionen über einen längeren Zeitraum entspannt eingenommen. Das bewusste Halten und Atmen trägt zur Harmonisierung von Körper und Geist bei.

Nach der Meditation folgt das körperliche Training. Hier kann man richtig ins Schwitzen geraten. Inge Sagemüller leitet zur Bauchübung „Das Boot“ an, wobei die Teilnehmerinnen im Sitzen zurückgelehnt die Beine anheben und das Gleichgewicht ausbalancieren. Im besten Fall bilden dabei Beine und Oberkörper einen 90-Grad-Winkel. Sieht leichter aus, als es ist! Diese Position hat es in sich und stärkt gleichzeitig Bauch-, Bein- und Rückenmuskulatur. Im Anschluss steht die „Feueratmung“ auf dem Programm. Bei dieser Übung wird stoßweise kräftig ausgeatmet – klingt fast wie bei einem Blasebalg und trägt zur Entgiftung von Lunge, Schleimhäuten, Blutgefäßen und anderen Zellen bei.

Yoga
Zum Abschluss gehören Entspannung und die Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in den Alltag. Foto: fotolia.com

Sagemüller hat eine dreijährige Ausbildung mit dem Schwerpunkt präventives und therapeutisches Yoga absolviert. In ihren Kursen beobachtet sie oft, wie stark gerade ältere Teilnehmer von den Übungseinheiten profitieren. „Yoga wirkt der Versteifung des Körpers entgegen“, erklärt die 58-Jährige. Wer mehr Beweglichkeit, Kraft, Stabilität und Körperbewusstsein entwickelt, spürt das auch in anderen Lebensbereichen. „Mit einem guten Körperbewusstsein passieren zum Beispiel weniger Unfälle im Haushalt“, ergänzt sie. „Viele Teilnehmer trauen sich mit der Zeit auch wieder Dinge zu, die sie verloren dachten, etwa Gartenarbeit, Schwimmen, Tanzen oder Wandern. Das gibt Lebensfreude zurück und steigert das Selbstbewusstsein.“ Die meisten Yoga-Anhänger möchten ihr körperliches Befinden verbessern. So versuchen beispielsweise Menschen mit Rückenproblemen auf diesem Weg ihr Leiden zu beheben. Aber auch die Verbesserung der geistigen Verfassung über Entspannung spielt für mehr als die Hälfte der Yoga-Praktizierenden eine große Rolle.

Studien beweisen: Yoga wirkt auf Körper und Geist

Die positiven Effekte von Yoga wurden in Studien nachgewiesen. Professor Ingo Froböse vom Institut für Bewegungstherapie der Sporthochschule Köln hebt Stressabbau, Muskelkräftigung, die Vertiefung der Atmung und die Verbesserung des Gleichgewichtssinns hervor. „Es gibt Nachweise über die Verbesserung der Herz-Kreislauf-Regulation“, betont Froböse und ergänzt: „Auch bei Kopfschmerzen und auf das Immunsystem hat Yoga eine gute Wirkung.“ Etwa 90 Prozent der Menschen nehmen durch die regelmäßigen Übungen eine Veränderung wahr, fühlen sich ausgeglichener, entspannter und körperlich fitter.

Körper und Geist profitieren somit nachweislich von Yoga. Wer nach einem passenden Angebot sucht, stellt schnell fest, dass es eine unübersichtliche Vielzahl von Stilen und Richtungen gibt. Da tauchen Bezeichnungen wie Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Tibetischer Yoga, Power Yoga, Bikram Yoga, Hormonyoga, Lachyoga und viele andere mehr auf.

Erwartungen klären und Kurse ausprobieren

Die Vielzahl an Stilen wurzelt in der Tatsache, dass Yoga bereits seit tausenden von Jahren existiert und sich stetig weiterentwickelt. Seinen Ursprung hat es in Indien, wo es seit jeher als eine philosophische Lehre mit komplexen Praktiken und Theorien anerkannt ist. Diese ursprüngliche Form von Yoga unterscheidet sich stark von den Stilen, die gegenwärtig in Europa und Nordamerika praktiziert werden. Mit dem westlichen Yoga-Boom entwickelte sich eine große Masse an Abwandlungen, die verschiedene Schwerpunkte setzen. Die einen stellen den meditativen Aspekt in den Mittelpunkt, während andere sich mehr auf Körperübungen konzentrieren. „Wer einen Kurs besuchen möchte, sollte sich vorher überlegen, was er sich davon erwartet“, rät Jessica Fink vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland – kurz BDY. „Einsteiger sollten überprüfen, ob das Angebot zu den eigenen Erwartungen und Bedürfnissen passt, und gegebenenfalls mehrere Kurse ausprobieren.“

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